Mit dem Laufspiel dominieren – Dreht sich die Entwicklung in der NFL um?

Mit dem Laufspiel dominieren – Dreht sich die Entwicklung in der NFL um?

Ob durch neue Regeln, innovative Coaches oder besondere Spieler, Football in der NFL verändert sich von Jahr zu Jahr aufs Neue. Eine bestimmte Veränderung ist dabei besonders über das letzte Jahrzehnt hinweg, nicht mehr aufzuhalten. Die Rolle des Pass-Spiels wird zunehmend größer und hat in seiner Häufigkeit, Liga weit das Run-Game abgelöst. So waren in 2019 62% aller offensiven Snaps in der Liga Passing-Plays. In der letzten Saison gab es mit den Baltimore Ravens, den New England Patriots und den Tennessee Titans sogar nur noch Drei Teams, die mehr Run- als Pass-Plays hatten.

Gründe dafür sind besonders die immer passfreundlicher werdenden Regeln, die nicht nur den Quarterback, sondern auch die Receiver schützen sollen. Wie zum Beispiel „Roughing the Passer“ oder „Hitting a defenceless Receiver“. Aber auch einzelne Spieler, wie Patrick Mahomes, haben durch ihre Effektivität im Pass-Spiel zu diesem Trend mit beigetragen. Wenn man nämlich einen Star-Quarterback wie Mahomes hat, der mit Leichtigkeit siebzig-, achtzig-Yard Pässe wirft, lohnt sich ein Lauf-Spiel häufig kaum. 

Der Trend hin zum Pass, hat zudem auch die Spielerprototypen auf beiden Seiten des Balls drastisch verändert. In der O-Line liegt der Fokus auf langen, agilen Pass-Protecting Linemen. Von einem modernen Runningback wird erwartet auch ein guter Receiver und Pass-Blocker zu sein. 

In der Defensive hat der Trend besonders die Linemen und Linebacker getroffen. Mehr als je zuvor, kommt es bei den großen Jungs auf die Geschwindigkeit und ihre Fähigkeiten im Pass-Rush an. Auch der vorzeige-Linebacker ist schon lange kein schwerer Run-Stopper wie Bears-Legende Brian Urlacher mehr. Stattdessen ist es eher ein Devin White. Er ist leichter, schneller und kann sowohl Tightends als auch Runningbacks im 1 gegen 1 decken. 

Auf den ersten Blick scheint der Trend also ganz klar Richtung Pass zu gehen. Wenn da nicht eine Gruppe an dominanten Lauf-Spiel orientierten Teams wäre, die diese Saison physisch kaum zu stoppen sind.

Nicht nur die Titans mit Derrik Henry haben in diesem Jahr mit ihrem Laufspiel einigen Defensiven schlaflose Nächte bereitet. Auch die Patriots und die Colts mit Jonathan Taylor rennen ganz entgegen dem Trend durch die „modernen“ Teams wie die Buffalo Bills hindurch. 

Zu jedem Trend gibt es eben auch immer einen Gegentrend. Aber warum haben Teams wie die Colts damit gerade so einen Erfolg? 

Dazu sei gesagt; nicht alle Teams, die auf ein dominantes Lauf-Spiel bauen, haben in diesem Jahr Erfolg. Das Parade-Beispiel dafür sind die Cleveland Browns. Mit 144.9 Lauf-Yards pro Spiel haben sie zwar das dritt-erfolgreichste Laufspiel der Liga, sind aber trotzdem letzter in der AFC North. 

Der entscheidende Unterschied ist eben immer noch der Quarterback. Nicht als Offensive Antriebskraft, sondern als klassischer Game-manager, der wenig Fehler macht und besonders Turnover verhindert. In Carson Wentz und Mac Jones haben erfolgreiche Lauf-Teams zwar keine Elite-Quarterbacks, allerdings machen beide, kaum Fehler und gehen behutsam mit dem Ball um. Das Matchup zwischen den Green Bay Packers und den Cleveland Browns zeigt eindeutig, wie ein Quarterback mit Turnovern dem eigenen Team schadet. Die Packers konnten das Laufspiel der Browns schlicht und einfach nicht stoppen und erlaubten unglaubliche 219 Yards auf dem Boden. Allerdings warf Browns QB Mayfield ganze 4 Interceptions und zerstörte damit dominante und vielversprechende Drives seiner Offense. 

Zusammen mit einem verlässigen Quarterback wird natürlich auch eine gute O-Line, besonders aber eine verhältnismäßig schwere und große O-Line benötigt. Gegen die „moderne“ D-Line, die besonders auf Geschwindigkeit und Finesse setzt, ist Masse nämlich die Geheimwaffe. 

Dass bewiesen sowohl die Colts als auch die Patriots in den Spielen gegen die Bills. Das Team aus Buffalo setzt in der Defense ganz auf die modernen Spielertypen. Mit kleineren und leichteren Defensive Ends und Tackles wie z.B. DE Jerry Hughes (188cm, 115Kg) oder DT Ed Oliver (188cm,130Kg) sind sie zwar besser gegen den Pass, haben beim Run aber Probleme dagegen zu halten. Was im direkten Vergleich zu Colts Guard Quentin Nelson (196cm, 150Kg) auch wirklich kein Wunder ist. So wurden die Bills im Spiel gegen die Colts mit 163 Yards und in zwei Spielen gegen die Patriots mit 149 und 222 Yards überrannt. 

Der Gegentrend zur modernen Pass-Offensive ist mit der richtigen Teambuilding Strategie also definitiv kein Zufall und ist auch langfristig reproduzierbar.

Ob das heißt, dass wir in Zukunft eine gespaltene NFL, in der es nur noch physische Laufspiel- und elegante Passspiel-Teams gibt, kriegen, ist unwahrscheinlich und bleibt abzuwarten. Allerdings ist klar, dass sich einige Coaches und General Manager aufgrund des Erfolgs der physisch dominanten Teams, ihre Teambuilding-Strategien nochmal genauer überdenken und anpassen werden. Mit Sicherheit wird besonders das Ansehen von Hybrid-Spielern, die also auf beide Arten spielen können, in der Off-Season zunehmen. 

Der Trend hin zum Passspiel wird durch die Wiedergeburt des Smashmouth-Footballs sicher nicht gehemmt, dafür ist es noch viel zu effektiv. Dennoch werden Teams in Zukunft bestimmt nach einem guten Powerback suchen. Diese Art des Runningbacks schien zwar langsam auszusterben, doch diese Saison hat gezeigt, wie dominant sie noch sein können. Daher werden wir gegen Laufspiel-Teams in der Defensive wieder mehr Spieler an der Line of Scrimmage und in der Box sehen. Das Ziel gegen diese Teams muss immer sein sie zum Passen zu zwingen. Erst wenn der Quarterback dann noch was draufhat, wird es wirklich gefährlich. 

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